Alltags-Alchemie
Spürst du es auch? Wenn die Temperaturen steigen, erwachen unsere fünf bis sieben Sinne wieder. Wir nehmen die Welt mit anderen Augen wahr: die Winterdepression haben wir ja schon beim Frühjahrsputz weggewischt, jetzt können neue Ideen sprießen wie die Maiglöckchen vor dem Fenster.
Zeit für eine Schreibeinladung, mit der wir die besonderen Momente dieser Jahreszeit festhalten können, zum Beispiel Momente, in denen uns die Sonne lacht, in denen wir etwas Neues erleben, uns wohl fühlen, in vollen Zügen die Natur genießen. Auf diese Weise können wir gute Erfahrungen verankern, die wir sonst allzu schnell vergessen.
Wir helfen unserem Gehirn, neue Muster zu schaffen
Wir können auf diese Weise üben, weniger Negatives zu erwarten und statt dessen Vertrauen und Zuversicht zu entwickeln. Nicht blauäugig, sondern neugierig, realistisch. Um tatkräftiger zu leben und erfüllter.
Darum erinnere ich uns heute an die Momentaufnahmen. Das ist eine der 18 Methoden, die Schreibtherapeutin Kathleen Adams in ihr großartiges „Journal to the Self“-Konzept (JTTS) aufgenommen hat. Mit den Methoden aus JTTS könnt ihr euer Journal immer wieder aufpeppen und neue Lust am Schreiben entfachen. Hier also …
Die Momentaufnahmen:
… das sind Texte, die ein Erlebnis wie ein Foto festhalten – nur eben mit Worten. Wir schreiben sie mit allen Sinnen und im Präsens, so als ob wir den Augenblick gerade erleben.
Im Mittelpunkt steht eine Situation, die uns bewegt, erstaunt, irritiert, erfreut, traurig oder neugierig macht. Das Schreiben kann in Windeseile geschehen: Fünf Minuten genügen oft schon. Beispiele findet ihr in vielen meiner Blogeinträgen. Das sind oft die Ergebnisse meiner eigenen Momentaufnahmen, die ich für euch aufbereitet habe.

Die Methode ist wirklich vielseitig:
- Sie hilft zu verarbeiten, was das Leben uns beschert. Bevor wir Angenehmes vergessen, haben wir es schon verankert.
- Und bevor uns Unangenehmes belasten kann, haben wir es ruckzuck in einen feinen, kleinen Text gegossen. So haben wir es aus dem Kopf und können sogar erleben, wie sich belastende Gefühle beim Schreiben verwandeln. Man kann so buchstäblich Dreck zu Gold machen, finde ich. Das ist wahre Alltags-Alchemie.
- Wir halten bedeutsame Momente für später fest. Denn wer weiß: Irgendwann ist es genau diese Erfahrung, die uns in der Gegenwart weiterbringt
- Momentaufnahmen machen Lust aufs Leben. Statt mein Handy zu zücken, um ein Foto zu machen, denke ich immer öfter: Darüber muss ich gleich schreiben.
- Wir vertiefen die Erfahrung, da wir sie dreimal machen: Beim Erleben, beim Schreiben, beim Lesen.
- Wir entwickeln eine Forscher:innen-Perspektive. So werden wir überrascht vom Leben, wir werten weniger, entdecken mehr. Wie fühlt sich das genau an? Was passiert da mit mir? Mit anderen?
Wie wär’s? Wollt Ihr es mal versuchen? Beispiele findet ihr übrigens, wenn ihr in der Seitenleiste die Kategorie Momentaufnahmen eingebt!
Probiert es mal aus. Es macht so viel Laune, das Leben in kleine feine Momentaufnahmen zu verwandeln. Sobald ihr heute also etwas Schönes, Erfreuliches, Lustiges, Erstaunliches, Überraschendes erlebt, und sei es auch noch so klein, zückt einfach euren Stift, stellt den Timer am Handy auf fünf bis sieben Minuten, und los geht’s … Viel Spaß … .
PS: Vielleicht bieten die Feiertage im Mai, die Ausflüge und Familientreffen, ja noch Futter für eine Momentaufnahme!

