Eine Weihnachtsgeschichte …

…  die mich schon seit Tagen bewegt, ist diese. Das Beste an ihr: Sie ist wahr, selbst erlebt, selbst gesehen, selbst gehört: Ein wahres Alltagsmärchen.

Am Unisee in Bremen vor einigen Tagen: Es ist halb acht Uhr morgens, die grünen Wiesen sind weiß, die Schneemänner – von Kindern am Vortag gebaut – grüßen mich und alle anderen  Hundespaziergänger. Meine Hündin Frieda (siehe unten) tobt und taumelt, beißt in Schneehaufen, wirbelt weiße, vereiste Brocken hoch in die Luft und stürzt sich dann unbeeindruckt in den See, den Enten hinterher.

“Nein”, rufe ich. Und “Nein”, ruft jemand neben mir. Ein zweiter Hund – Freya mit Namen, wie sich herausstellt, stürmt ins Wasser. “Sie ist ein Husky-Mix”, sagt die Frau am Ufer. Letzteres ist offensichtlich: weißgrundiges, dickflauschiges Fell und ein blaues Auge neben einem braunen schauen mich an.

Frieda und Freya wetzen mittlerweile über die Wiese, an Frieda hängen schon weiße Eiszapfen, das Fell ist mit Raureif überzogen. Freya ist eisfrei, halt besser ausgestattet  – als Schlittenhund. “Sie sieht heute zum ersten Mal Schnee”, sagt die Frau, während ich mich frage, ob mein am Bauch klitschnasser, am Rücken vereister Labradoodle sich eine Nierenentzündung holen wird.

“Ist sie nicht wundervoll?”, fragt die Frau neben mir. Sie schaut verliebt auf ihren Hund, gerade mal ein Jahr, noch unerfahren in der Welt, schätze ich, so verspielt und vorsichtig, wie sie ist.” “Ja”, sage ich, “wunderschön und so keck”.

“So mutig ist sie sonst nicht”, sagt die Frau auf einmal traurig, “sie ist  sieben Monate lang misshandelt worden, dann abgegeben. Und niemand wollte sie nehmen.”

“Warum nicht? Sie ist doch klasse.”
“Sie mag keine Männer”.
“Oh, wie unpraktisch.”

“Ich wollte nie einen Hund. Ich habe eine Tierhaarallergie. Ich hasse die Natur. Ich bin etepetete. Lackierte Nägel, Tüll und Tüdel und so, das ist mein Ding. Diese englische Mode, die ich hier trage”, sie blickt an ihren schneetauglichen Hosen hinunter auf die dickbesohlten Winterstiefel, “hätte ich vor einem Jahr nicht mit der Zange angefasst.”

Bevor ich fragen kann, sagt sie: “Ich hatte drei Jobs, ein Hund passte da sowieso nicht rein. Und ich bin allein erziehend. Wann sollte ich denn auch noch mit einem Hund rausgehen.”

“Äh, wie kommt es dann, dass …”
“Bekannte haben von ihr erzählt, ich habe sie mir bloß mal angeschaut und dann war alles klar.”

“Sie haben sie genommen? Trotz Allergie? Trotz der Jobs?”
“Wenn man will, geht alles. Ich kann es nicht erklären. Ich wusste, sie ist die Richtige für mich. Meine Jobs musste ich dann kündigen – wegen Freya. Ein paar Wochen, nachdem sie zu uns kam, hat man mir dann meinen Traumjob als Designerin angeboten. Jetzt tue ich, was ich liebe und habe Zeit für Hund und Kind!”

“Wow.”
“Freya hat einen völlig neuen Menschen zum Vorschein gebracht. Ich gehe bei Wind und Wetter spazieren und liebe es. Meine Rückenschmerzen vom vielen Sitzen sind verschwunden. Meine Tierhaarallergie – welche Tierhaarallergie?”

Ich bin sprachlos. Als wir uns verabschieden, tauschen wir Telefonnummern. Damit Frieda und Freya wieder mal miteinander spielen können. Und ich die Fortsetzung des Alltagsmärchens miterlebe …

Ich wünsche Euch allen
Euer ganz persönliches Weihnachtsmärchen,
gute Intuition, die Euch den Weg weist
und den Mut, danach zu handeln.

Außerdem freue ich mich aufs Wiedersehen und -lesen im Neuen Jahr!

Eure Birgit

 

 

 

1 Kommentar zu „Eine Weihnachtsgeschichte …“

  1. Was für eine tolle Geschichte – das ermutigt mich nur noch mehr! Hoffe nur, dass mein Vermieter mir nicht einen Strich durch die Pläne zieht.
    Liebste Grüße aus HH!!!

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