Krank sei dank

Diesen Blogbeitrag schreibe ich nur, weil mir eben der Satz  “krank sei dank” einfiel – eine Art Versprecher – oder in diesem Fall: ein Verdenker. Ich habe mich verdacht und bin dabei einer meiner persönlichen Lebensweisheiten auf die Spur gekommen.

Ich gehöre zu den Menschen, die lange erst krank wurden, wenn gar nix mehr ging. Während andere an Schnupfen, Husten, Heiserkeit  oder Kopfweh litten, arbeitete ich fleißig weiter. Wenn andere an Magen-Darm-Grippe litten, rumorte es bei mir im Bauch höchstens. (Einmal flog ich mit 39 Fieber und Anti-Spuck-Tablette zu einem Workshop. Der war übrigens klasse, ich habe es nicht bereut.).

Das Durchhalten hatte ich früh zuhause gelernt: Meine Mutter, eine Lehrerin, rühmte sich damit, dass sie in ihren vierzig Berufsjahren dreimal krank war.

Pause machte ich nur, wenn mein Sprunggelenk riss, mein Blinddarm sich entzündete oder ein Abszess zu einer dicken Entzündung wurde. Meinen erster Krankenhausaufenthalt wegen der Blinddarm-OP habe ich als Urlaub empfunden.

Versteht mich nicht falsch: Ich plädiere nicht für ein Superwoman-Dasein. Im Gegenteil. Achtsamkeit geht anders.

Meine kreativsten Phasen sind jene, die ich absichtslos verbringe – beim Spazieren gehen, Schwimmen, Hunde streicheln – oder wenn ich kränkle. Es sind jene Phasen,  in denen die tägliche Arbeit mal warten muss.

Ich brauche diese Phasen, um gut zu sein in meiner Arbeit.

Mein Körper weiß das immer noch eine Sekunde schneller als mein Geist. Aber er holt auf.

Heute bin ich dankbar, wenn mich die Kinderviren erwischen und ich frühzeitig für einen Tag aus dem Verkehr gezogen bin. Auf frische Kinderviren sind Erwachsene weniger gut vorbereitet, sie können uns leichter Schach matt setzen als jene, die mit denen wir uns schon ein Leben lang auseinandergesetzt haben.

Gerade habe ich darum eine Dienstreise abgesagt. Rechtzeitig. Und das ist für mich eine echte Leistung.

 

 

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