Weiber-Workshop-Wochenende

Seien wir doch mal ehrlich: Frauen trauen sich in der Regel öfter als Männer an das Neue heran, an die wirklichen Abenteuer im Leben, an andere Menschen und an sich selbst. Ausnahmen bestätigen die Regel. Richtig bleibt jedoch: Viele Männer verpassen da etwas.

Wie zum Beispiel am vergangenen Workshop-Wochenende in Bremen. Etwa zwanzig Frauen waren in die Manufaktur am Emma-Platz gekommen, um an zwei Tagen in zwei verschiedenen Workshops kreative Ausflüge zu sich selbst zu unternehmen.

Aus Wien war die Psychologin und Kunsttherapeutin Johanna Vedral angereist und bewies uns in ihrem Collage Writing-Workshop, dass wir tatsächlich “Geschichten aus der Tiefe” schreiben können, wie der Untertitel ihres neuen Buches verspricht. Vorausgesetzt wir lassen uns auf Johannas spannenden Methoden ein.

Johanna Vedral hatte für uns an diesem Wochenende eine Healing-Collage der Japanerin Sheila Asato ausgesucht. Unter anderem – und wir fanden das sehr amüsant – weil diese Methode klare Zeitvorgaben macht und man unterwegs ganz ordentlich die Reste und Schnipsel wegräumt. Das – so glaubt Johanna – sollte den strukturierten Deutschen doch entgegenkommen. Sie hatte offensichtlich recht. 

Künstlerin R. aus W. schrieb mir etwa, dass sie nun das Collagieren für sich entdeckt habe. Wörtlich schrieb sie vom “Suchtpotential” und sandte die Fotos einiger Collagen mit, die sie seit dem Workshop mit Johanna fast täglich anfertigt.

Vereinfacht gesagt, bedeutet Collage Writing, sich von Bildern in Illustrierten und anderen Druckerzeugnissen ansprechen zu lassen, sie auszureißen oder zu schneiden und in einer Collage zu vereinen – ohne künstlerischen Anspruch, dafür mit viel Intuition. Dann kann man je nach Methode zu Aspekten des Bildes tagträumend weiter schreiben. Ein Vielzahl von Methoden und Anleitungen finden sich in Johanna Vedrals Buch “Collage Dream Writing. Geschichten aus der Tiefe schreiben”, das im Punktgenau-Verlag, Wien, erschienen ist.

Am zweiten Workshop-Tag lernten die Teilnehmerinnen die fast vergessene Kunst des Briefe Schreibens neu kennen. Diesmal als fabelhafte Methode, bedeutsame Beziehungen zu pflegen und zu klären. Wir ergriffen die Chance, gleich hier und jetzt eine Postkarte an einen unserer V.I.P.s zu schreiben – an Menschen, die wir zuvor als Teil unseres Unterstützungsnetzwerks identifiziert hatten.

Das nächste Projekt war eine der ältesten heilsamen Schreibmethoden: der “Unsent Letter” – ein Brief, der nicht abgeschickt wird. Er wirkt oft kathartisch und klärend. Die Teilnehmerinnen schrieben an Menschen, mit denen sie noch etwas zu klären hatten oder denen sie etwas mitteilen wollten, was bislang ungesagt geblieben war. Viele fühlten sich danach immens erleichtert.

Dazu gab es wie immer im Schreibsalon kleine Stärkungen, diesmal vor allem Kaffee und Croissant sowie wärmenden Sonnenschein und den Blick auf die bunt erwachte Natur auf der Emma-Wiese.

Ich selbst habe an diesem Wochenende noch ein besonderes Zuckerl genossen. Drei Schreibfreundinnen, Autorinnen, Schreibdozentinnen übernachteten bei mir (und meiner Familie): Ein echtes Weiber-Workshop-Wochenende eben.
Vorlesen, reden, das Erlebte bewegen, neue Schreibkonzepte ersinnen, Schreiberfahrungen austauschen – selten waren Tage so inspirierend und anregend.

Und wir schmiedeten natürlich Pläne.

Zum Beispiel diesen: Im nächsten Jahr um diese Zeit soll es eine Neuauflage der Workshops geben. Da haben dann wieder alle – auch die Männer – ihre Chance auf ein fröhlich-kreatives und produktives Schreibwochenende. Ich habe mich bei mir schon mal angemeldet.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu

9 − 5 =

Scroll to Top